360° Fotos selber machen: Lohnt sich das?

360° Fotos selber machen: Lohnt sich das?

Der ehrliche Vergleich zwischen DIY und Profi – Kosten, Qualität, Aufwand

Ja, Sie können 360° Fotos für Immobilien selber machen – aber es gibt Grenzen. Mit einer Consumer-360°-Kamera (€300-€1.000) erreichen Sie akzeptable Ergebnisse für einfache Vermietungen. Für Immobilienverkäufe, besonders ab €300.000, empfehlen wir professionelle Matterport-Scans. Die Qualitätsunterschiede sind erheblich.

Die ehrliche Antwort

Wann DIY Sinn macht. Wann nicht. Ohne Verkaufsgeschwafel.

DIY lohnt sich bei:

  • Günstige Vermietung (unter €1.000/Monat): Die Mieter nehmen sowieso
  • Viele Objekte mit kleinem Budget: Volumen schlägt Qualität
  • Interne Dokumentation: Nicht für Vermarktung gedacht
  • Regelmäßige Updates: Baustellen-Dokumentation, wechselnde Ausstellungen
  • Sie sind technisch versiert: Und haben Zeit zu lernen

Profi lohnt sich bei:

  • Verkauf ab €200.000: Die Fotokosten fallen nicht ins Gewicht
  • Premium-Vermietung (ab €1.500/Monat): Anspruchsvolle Mieter erwarten Qualität
  • Konkurrenzmärkte: Wenn viele ähnliche Objekte verfügbar sind
  • Zeitdruck: Profi liefert in 24-48h, DIY braucht Lernkurve
  • Keine technische Affinität: Oder keine Zeit sich einzuarbeiten

Was Sie für DIY brauchen

Hardware: Die Kamera-Optionen

Budget (€150-€300)

  • Smartphone + App: Google Street View, Panorama-Apps
  • Insta360 Ace: ca. €250, ordentliche Qualität
  • Ricoh Theta SC2: ca. €280, einfache Bedienung

Ergebnis: Akzeptabel für Social Media, grenzwertig für Inserate.

Mittelklasse (€400-€600)

  • Insta360 ONE X3: ca. €450, sehr beliebt
  • Ricoh Theta X: ca. €550, solide Leistung

Ergebnis: Gut für Vermietung, ausreichend für Verkäufe unter €300.000.

Prosumer (€800-€1.200)

  • Ricoh Theta Z1: ca. €1.000, beste Consumer-360°-Kamera
  • Insta360 ONE RS 1-Inch: ca. €800, guter Sensor

Ergebnis: Nahe an Profi-Qualität für Einzelfotos, aber keine Matterport-Features.

Zubehör

  • Stativ (€30-€80): Unverzichtbar. Kamera muss stabil stehen.
  • Selfie-Stick/Monopod (€20-€50): Für schnelle Positionswechsel
  • Speicherkarte (€20-€50): Schnelle SD-Karte, 64GB+
  • Ersatz-Akku (€30-€50): 360°-Kameras fressen Strom

Software: Wo Sie die Tour zusammenbauen

Kostenlose Optionen

  • Marzipano: Open Source, technisch anspruchsvoll
  • Pannellum: JavaScript-basiert, für Entwickler

Günstige Optionen (€5-€30/Monat)

  • Kuula: ca. €10/Monat, benutzerfreundlich
  • Momento360: ca. €15/Monat, gute Features
  • ThingLink: ca. €25/Monat, viele Zusatzfunktionen

Professionelle Optionen

  • Matterport für 360° (Axis): ca. €40/Monat, nahe an Profi
  • 3DVista: ca. €500 einmalig, viele Features

Der Qualitätsunterschied: Konkret

Bildqualität

AspektDIY (Insta360 X3)Profi (Matterport Pro3)
Auflösung5.7K Video / 72MP Foto134 Megapixel HDR
DynamikumfangStandard HDRProfessionelles HDR
Low-LightRauschen sichtbarSaubere Bilder
StitchingManchmal sichtbarNahtlos

Features

FeatureDIYMatterport Profi
360° BegehungJa (Punkt zu Punkt)Ja (fließend)
Echtes 3D-ModellNeinJa
MessfunktionNeinJa
Automatischer GrundrissNeinJa
Dollhouse-AnsichtNeinJa
Highlight-ReelNeinJa

Zeitaufwand

SchrittDIY (erste Tour)DIY (geübt)Profi
Aufnahme (80m²)60-90 Min.30-45 Min.30-45 Min.
Nachbearbeitung2-4 Stunden1-2 Stundeninkl.
Tour zusammenstellen2-3 Stunden30-60 Min.inkl.
Gesamt5-8 Stunden2-4 Stunden30-45 Min. (Sie)

Die Kostenrechnung

DIY: Erste Tour

  • Kamera (Insta360 X3): €450
  • Stativ: €50
  • Speicherkarte: €30
  • Software (Kuula, 1 Jahr): €120
  • Ihre Zeit (6h × €50/h Opportunitätskosten): €300

Gesamt erste Tour: €950

DIY: Jede weitere Tour

  • Ihre Zeit (3h × €50/h): €150
  • Software anteilig: €10

Gesamt jede weitere: €160

Profi: Jede Tour

  • Matterport Essential (bis 100m²): €490
  • Ihre Zeit (Vorbereitung + Anwesenheit): €50

Gesamt Profi: €540

Break-Even-Analyse

Ab wann rechnet sich DIY?

  • DIY-Startkosten: €950
  • DIY pro Tour: €160
  • Profi pro Tour: €540

Ersparnis pro Tour nach der ersten: €540 - €160 = €380

Amortisation der Startkosten: €950 / €380 = 2,5 Touren

Ab der 3. Tour lohnt sich DIY finanziell.

Aber: Diese Rechnung ignoriert Qualitätsunterschiede. Wenn die DIY-Tour einen Verkauf um 1 Monat verzögert oder den Preis um 2% drückt – war das keine Ersparnis.

So machen Sie DIY richtig

Schritt 1: Vorbereitung

  • Immobilie aufräumen (wie für normale Fotos)
  • Alle Lichter einschalten
  • Vorhänge öffnen
  • Kamera und Akku voll laden
  • Speicherkarte formatieren

Schritt 2: Aufnahmeplan

  • Jeden Raum auf Grundriss markieren
  • Positionen planen (2-4 pro Raum)
  • Reihenfolge festlegen (logischer Rundgang)

Schritt 3: Aufnahme

  • Kamera auf Stativ, Höhe ca. 1,40m
  • Mittig im Raum positionieren
  • Raum verlassen vor Auslösung
  • Timer nutzen oder App-Fernauslöser
  • Kontrolle auf Kamera-Display

Schritt 4: Nachbearbeitung

  • Bilder auf Computer übertragen
  • Belichtung/Farben korrigieren (Lightroom o.ä.)
  • Stativ-Fuß retouchieren wenn sichtbar
  • Bilder exportieren

Schritt 5: Tour erstellen

  • Bilder in Software hochladen
  • Hotspots setzen (Navigation zwischen Bildern)
  • Startraum festlegen
  • Tour testen
  • Link generieren

Die häufigsten DIY-Fehler

1. Falsche Kamerahöhe

Zu tief = Räume wirken kleiner. Zu hoch = unnatürliche Perspektive. Optimal: 1,30-1,50m.

2. Zu wenige Positionen

Sparsamkeit rächt sich. Lieber zu viele Aufnahmen als zu wenige. Ungenutzte können Sie später aussortieren.

3. Schlechtes Licht

Consumer-Kameras kämpfen bei wenig Licht. Alle Lampen an. Tagsüber fotografieren. Keine direkte Sonne durchs Fenster.

4. Im Bild sichtbar

360° heißt: Sie sind auch im Bild, wenn Sie im Raum stehen. Raum verlassen. Timer nutzen. Notfalls hinter Möbel verstecken und rausretuschieren.

5. Spiegel vergessen

Spiegel zeigen die Kamera und Sie. Abdecken oder Winkel ändern, sodass der Spiegel nicht Richtung Kamera zeigt.

6. Keine Nachbearbeitung

Rohe 360°-Fotos sehen selten gut aus. Belichtung anpassen. Farben korrigieren. Stativ-Fuß entfernen.

Mein ehrliches Fazit

Als Profi sage ich Ihnen: DIY hat seine Berechtigung. Für kleine Vermietungen, für interne Dokumentation, für viele Objekte mit kleinem Budget – kann es Sinn machen.

Aber.

Wenn es um Verkauf geht. Wenn es um Ihre Hauptimmobilie geht. Wenn der Preis über €250.000 liegt. Dann ist der Profi die bessere Investition.

Nicht weil ich verkaufen will. Sondern weil die Zahlen eindeutig sind. 2-5% Mehrerlös durch bessere Präsentation übersteigt die Profi-Kosten um ein Vielfaches.

Unverbindlich vergleichen

Nicht sicher, welcher Weg für Sie der richtige ist? Rufen Sie an. Wir besprechen Ihre Situation und geben eine ehrliche Empfehlung – auch wenn die lautet: Machen Sie es selbst.

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Lucas Hammerer

Lucas Hammerer

Gründer & Immobilienfotograf

Lucas Hammerer ist Gründer von Immobilien-Fotograf Wien und hat sich auf hochwertige Immobilienfotografie, 360° Rundgänge und Drohnenaufnahmen spezialisiert. Mit über 500 erfolgreich vermarkteten Immobilien und langjähriger Erfahrung in der Wiener Immobilienbranche unterstützt er Makler, Bauträger und Privatverkäufer dabei, ihre Objekte optimal zu präsentieren. Seine Expertise umfasst Matterport 3D-Touren, HDR-Fotografie und moderne Vermarktungsstrategien.

5+ Jahre Erfahrung500+ Projekte

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